In einem wissenschaftlichen Artikel untersuchen Orlando Willig und Marco Schreyer einen bedeutenden Paradigmenwechsel für unseren Berufsstand: das Aufkommen der agentenbasierten KI (Agentic AI) und deren Integration in traditionelle computergestützte Prüfungswerkzeuge (CAATs).

Im Gegensatz zu früheren digitalen Assistenten übernehmen neue KI-Systeme nicht nur einzelne Aufgaben wie die Textzusammenfassung oder die Datenextraktion. Sie können auch komplexe und mehrstufige Prüfungen selbstständig durchführen. Diese Agenten nutzen offene Standards wie das Model Context Protocol (MCP). Ihre Architektur beruht auf drei zentralen Grundlagen:
- Planung: die Fähigkeit, ein übergeordnetes Ziel in überschaubare Teilaufgaben zu zerlegen und durch Selbstkorrektur aus eigenen Fehlern zu lernen.
- Das Gedächtnis: die Nutzung von Kurz- und Langzeitmechanismen, um den Kontext einer Prüfung zu speichern und Informationen von einer Prüfung zur nächsten abzurufen.
- Die Orchestrierung von Tools: die Fähigkeit, externe Skripte und Fachanwendungen aufzurufen, um Prüfungsdaten zu extrahieren und Berichtsentwürfe zu erstellen.
Der Mensch im Mittelpunkt der Governance
Diese Automatisierung der technischen Analyse zielt keineswegs darauf ab, den Prüfer zu ersetzen. Im Gegenteil, sie definiert seine Rolle neu: Entlastet von den aufwendigsten Ausführungsprozessen bleibt der Mensch im Zentrum. Unabhängigkeit, professionelles Urteilsvermögen und kritische Skepsis bleiben unverhandelbare Vorrechte des Menschen.